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Raus aus der Abhängigkeit von Microsoft, Google & Co. – einfacher als gedacht?

Muss der nächste Computer wieder ein Windows-PC sein? Linux-Rechner mit deutschem Support, LibreOffice, Nextcloud und europäische Alternativen zeigen, wie sich die Abhängigkeit von Microsoft, Google & Co. Schritt für Schritt verringern lässt.

Bild: ChatGPT

Wer heute einen neuen Computer kauft, entscheidet meistens zwischen zwei Welten: einem Windows-PC und einem Mac von Apple. Für die meisten Menschen ist das so selbstverständlich, dass eine dritte Möglichkeit kaum noch wahrgenommen wird.

Doch die gibt es: Linux.

Das freie Betriebssystem ist keineswegs neu. Es läuft seit Jahrzehnten auf Servern, in Unternehmen und auf Millionen Geräten. Auf dem heimischen Laptop spielt es dagegen nur eine Nebenrolle.

Das könnte sich ändern. Denn gerade jetzt stehen viele Besitzer älterer Windows-PCs vor einer Entscheidung: Ihr bisheriger Rechner erfüllt möglicherweise nicht die Voraussetzungen für Windows 11. Windows 10 lässt sich zwar über zusätzliche Sicherheitsupdates noch eine begrenzte Zeit weiterverwenden. Irgendwann wird dennoch ein neuer Computer fällig.

Und dann lohnt sich eine Frage, die man sich vielleicht noch nie gestellt hat:

Muss auf meinem nächsten Computer eigentlich wieder Windows laufen?

Das Problem mit Linux war lange nicht Linux

Linux hat einen Ruf, den es nur noch teilweise verdient. Man müsse sich mit Computern auskennen, kryptische Befehle eintippen und bei Problemen stundenlang in Internetforen nach einer Lösung suchen.

Moderne Linux-Systeme lassen sich inzwischen weitgehend mit Maus und Menüs bedienen. Wer damit hauptsächlich im Internet surft, E-Mails schreibt, Fotos betrachtet und Briefe verfasst, wird vieles wiedererkennen.

Ein Problem bleibt allerdings: die Unterstützung bei Problemen.

Kauft man einen gewöhnlichen Windows-Laptop und installiert darauf selbst Linux, ist man bei Schwierigkeiten tatsächlich häufig auf sich allein gestellt. Der Computerhersteller hat das Gerät schließlich für Windows verkauft und unterstützt möglicherweise nur dieses Betriebssystem.

Genau hier gibt es inzwischen einen interessanten anderen Weg.

Einen Linux-PC einfach fertig kaufen

Das Augsburger Unternehmen TUXEDO Computers beispielsweise baut Notebooks und Desktop-PCs, die von vornherein für Linux vorgesehen sind.

Man muss Linux also nicht selbst installieren und anschließend hoffen, dass WLAN, Kamera, Lautsprecher und die übrige Hardware funktionieren. Rechner und Betriebssystem werden als Einheit angeboten.

Noch wichtiger ist etwas anderes: Es gibt einen Ansprechpartner.

Damit unterscheidet sich ein solches Gerät grundlegend von dem alten Experiment, einen vorhandenen Windows-Rechner selbst auf Linux umzurüsten.

Das hat allerdings seinen Preis. Ein entsprechend ausgestattetes Linux-Notebook von TUXEDO kann teurer sein als so manches Sonderangebot mit Windows im Elektronikmarkt.

Man bezahlt dafür aber auch für etwas, das gerade für weniger technikerfahrene Menschen wichtig sein kann: Ein fertig eingerichtetes System, bei dem der Hersteller Linux ausdrücklich unterstützt.

Damit wird Linux plötzlich auch für Menschen interessant, die niemals auf die Idee kämen, selbst ein Betriebssystem zu installieren.

Und was mache ich ohne Microsoft Office?

Das ist wahrscheinlich eine der ersten Fragen beim Gedanken an einen Wechsel.

Viele von uns benutzen seit Jahren oder Jahrzehnten Word. Tabellen werden mit Excel erstellt und Präsentationen mit PowerPoint. Die Programme sind so vertraut geworden, dass man leicht vergisst: Sie gehören nicht zum Computer. Sie sind Produkte von Microsoft.

Unter Linux gibt es dafür mit LibreOffice eine etablierte Alternative.

LibreOffice enthält unter anderem eine Textverarbeitung, eine Tabellenkalkulation und ein Präsentationsprogramm. Die Bedienung unterscheidet sich von Microsoft Office, das Grundprinzip ist aber dasselbe.

Und LibreOffice ist kostenlos.

Wer einen Brief schreibt, eine Tabelle mit seinen Ausgaben führt, Einladungen gestaltet oder ein vorhandenes Word-Dokument öffnen möchte, kommt damit in vielen Fällen problemlos zurecht.

Natürlich gibt es Grenzen. Wer beruflich auf spezielle Funktionen von Microsoft Office angewiesen ist oder komplizierte Excel-Dateien mit besonderen Funktionen und Automatisierungen verwendet, sollte vor einem Wechsel genau prüfen, ob alles funktioniert.

Für einen typischen privaten Computer stellt sich aber durchaus die Frage:

Brauche ich Microsoft Office überhaupt noch?

Die nächste Frage: Wo liegen meine Dateien?

Damit sind wir bei der Cloud.

Der etwas wolkige Begriff bedeutet zunächst nichts anderes, als dass Dateien nicht nur auf dem eigenen Gerät liegen, sondern auf einem Rechner im Internet gespeichert werden.

Bei Microsoft heißt der entsprechende Dienst OneDrive, bei Apple iCloud und bei Google Google Drive.

Das ist ausgesprochen bequem. Ein Foto befindet sich auf dem Smartphone und kurze Zeit später auch auf dem Computer. Ein Dokument kann am Laptop begonnen und später auf dem Tablet geöffnet werden.

Auf diesen Komfort muss man bei einem Wechsel nicht verzichten.

Eine interessante Alternative ist Nextcloud.

Nextcloud kann mehr als nur Dateien speichern

Nextcloud ist eine freie Software, mit der sich ein eigener Cloud-Dienst betreiben lässt. Man muss dafür aber keineswegs einen Server in den Keller stellen. Es gibt Anbieter, bei denen man eine fertig eingerichtete Nextcloud mieten kann.

Danach funktioniert vieles so, wie man es von den großen amerikanischen Cloud-Diensten kennt.

Auf dem Computer gibt es einen Ordner, dessen Inhalt automatisch mit der Cloud abgeglichen wird. Dateien stehen dadurch auch auf anderen Geräten zur Verfügung.

Besonders interessant ist das für Fotos.

Für iPhone und Android gibt es eine Nextcloud-App. Sie kann neue Fotos vom Smartphone automatisch in die Nextcloud übertragen.

Man macht unterwegs ein Bild mit dem Smartphone, und später steht es über die Nextcloud auch am Computer zur Verfügung.

Gerade dieser Punkt ist wichtig. Wer sich von einzelnen amerikanischen Diensten lösen möchte, muss deshalb nicht auf die Annehmlichkeiten verzichten, an die er sich inzwischen gewöhnt hat.

Man verwendet lediglich eine andere technische Lösung dafür.

Aber meine Daten müssen doch irgendwo liegen

Richtig.

Auch eine Nextcloud schwebt nicht irgendwo unsichtbar über Europa. Die Daten müssen auf einem Server gespeichert werden.

Deshalb sollte man bei der Auswahl eines Anbieters darauf achten, wo die Daten gespeichert werden und welches Unternehmen den Dienst betreibt.

Nextcloud selbst ist zunächst die Software. Wo sie betrieben wird, entscheidet der Nutzer beziehungsweise der gewählte Anbieter.

Wer technisch versiert ist, kann Nextcloud sogar auf einem eigenen Server betreiben. Für die meisten privaten Anwender dürfte jedoch ein Anbieter sinnvoller sein, der sich um Betrieb, Updates und Datensicherung kümmert.

Das kostet je nach Speicherplatz und Anbieter Geld. Die Software Nextcloud selbst ist jedoch Open Source – der Programmcode ist öffentlich zugänglich und man ist nicht dauerhaft an einen einzigen Cloud-Anbieter gebunden.

Nach Microsoft kommt Google

Wenn Windows, Microsoft Office und OneDrive nicht mehr selbstverständlich sind, kann man sich den nächsten Bereich ansehen.

Die Internetsuche.

„Ich google das mal“ ist inzwischen fast zum Synonym für „Ich suche im Internet“ geworden.

Dabei gibt es Alternativen.

Mit Ecosia kommt beispielsweise ein Anbieter aus Berlin infrage. Auch Qwant aus Frankreich bietet eine Suchmaschine an.

Der Wechsel ist denkbar einfach: Man stellt im Browser eine andere Standardsuchmaschine ein und probiert sie einige Wochen aus.

Das Schöne daran: Man muss Google dafür nicht löschen.

Wenn eine Suche mit der Alternative einmal nicht zum gewünschten Ergebnis führt, kann man Google weiterhin aufrufen. Digitale Unabhängigkeit muss schließlich nicht bedeuten, sich selbst Möglichkeiten zu verbieten.

Es geht darum, eine Wahl zu haben.

Und was ist mit dem Browser?

Auch hier lohnt ein Blick auf die Gewohnheiten.

Chrome stammt von Google, Edge von Microsoft und Safari von Apple.

Eine bekannte Alternative ist Firefox. Der Browser wird von Mozilla entwickelt und ist auch für Linux verfügbar.

Wer von Windows auf Linux umsteigt, muss sich deshalb beim Surfen kaum umgewöhnen. Webseiten funktionieren grundsätzlich unabhängig davon, ob darunter Windows oder Linux läuft.

Das ist überhaupt eine wichtige Entwicklung: Vieles, wofür früher ein bestimmtes Programm installiert werden musste, findet heute direkt im Browser statt.

Und dem Browser ist es weitgehend egal, welches Betriebssystem darunter läuft.

Das macht einen Wechsel heute wesentlich einfacher als noch vor zehn oder zwanzig Jahren.

Selbst bei künstlicher Intelligenz gibt es Alternativen

Inzwischen gehört für viele Menschen auch künstliche Intelligenz zum digitalen Alltag.

ChatGPT stammt von OpenAI aus den USA. Google bietet Gemini an, Anthropic Claude.

Auch hier ist Europa nicht völlig ohne Alternative.

Das französische Unternehmen Mistral AI entwickelt eigene KI-Modelle und bietet mit Le Chat einen KI-Assistenten an, der sich ähnlich wie ChatGPT verwenden lässt.

Niemand muss deshalb ChatGPT sofort kündigen.

Aber warum nicht einmal dieselbe Frage an beide Systeme stellen?

Vielleicht stellt man fest, dass die europäische Alternative für die eigenen Zwecke vollkommen ausreicht. Vielleicht bleibt man bei ChatGPT. Vielleicht benutzt man künftig beide.

Auch das ist digitale Souveränität: Nicht abhängig zu sein, weil man Alternativen kennt.

Muss ich jetzt alles umstellen?

Nein.

Das wäre wahrscheinlich sogar der falsche Ansatz.

Wer mit seinem jetzigen Computer zufrieden ist, muss nicht morgen Windows löschen und Linux installieren. Wer seine Dokumente problemlos mit Microsoft Office bearbeitet, braucht nicht aus Prinzip zu wechseln. Und wer seine Daten in OneDrive gespeichert hat, sollte sie keinesfalls übereilt irgendwohin verschieben.

Interessant wird die Sache immer dann, wenn ohnehin eine Veränderung ansteht.

Ein neuer Computer muss gekauft werden.

Das Office-Abonnement soll verlängert werden.

Der Cloud-Speicher wird knapp.

Oder man möchte einen neuen Dienst ausprobieren.

Das sind die Momente, in denen man sich nach Alternativen umsehen kann.

Ein möglicher Weg sieht plötzlich erstaunlich einfach aus

Aus einem klassischen Windows-System mit

Windows → Microsoft Office → OneDrive → Edge → Google → ChatGPT

könnte nach und nach beispielsweise

Linux → LibreOffice → Nextcloud → Firefox → Ecosia oder Qwant → Mistral

werden.

Nicht jeder muss diese Kette vollständig durchlaufen. Vielleicht bleibt man bei Google. Vielleicht möchte man weiterhin ChatGPT verwenden. Vielleicht braucht man aus bestimmten Gründen doch Microsoft Office.

Das ist kein Scheitern.

Es geht nicht darum, einen amerikanischen Dienst durch einen europäischen zu ersetzen, nur weil der eine amerikanisch und der andere europäisch ist.

Es geht darum, sich nicht unnötig von einzelnen Unternehmen abhängig zu machen.

Der nächste Computer könnte der Anfang sein

„Digitale Souveränität“ klingt zunächst nach einem Thema für Regierungen und die Europäische Union.

Dabei kann sie auf dem eigenen Schreibtisch beginnen.

Gerade wer wegen Windows 11 ohnehin über einen neuen Rechner nachdenkt, hat eine seltene Gelegenheit. Statt automatisch wieder einen Windows-PC zu kaufen, kann man sich erstmals auch einen fertig eingerichteten Linux-Rechner ansehen.

Der entscheidende Fortschritt dabei ist vielleicht gar nicht Linux selbst.

Es ist die Tatsache, dass man dafür inzwischen nicht mehr Computerexperte sein muss. Unternehmen wie TUXEDO verkaufen Linux-Rechner als fertiges Produkt und bieten dazu den Support, der vielen privaten Anwendern beim bisherigen Linux-Modell gefehlt hat.

Von dort kann man weitergehen: LibreOffice statt Microsoft Office ausprobieren. Dateien und Smartphone-Fotos über Nextcloud synchronisieren. Eine andere Suchmaschine testen. Firefox verwenden. Einer europäischen KI eine Chance geben.

Nicht alles auf einmal.

Und auch nicht, weil amerikanische Technik grundsätzlich schlecht wäre. Viele dieser Produkte sind hervorragend – sonst wären sie nicht so erfolgreich geworden.

Aber vielleicht sollten wir uns daran erinnern, dass Bequemlichkeit und Abhängigkeit manchmal ziemlich dicht beieinanderliegen.

Beim nächsten Computerkauf lohnt deshalb eine zusätzliche Frage:

Muss es eigentlich wieder Windows sein?

Vielleicht lautet die Antwort weiterhin Ja.

Aber zum ersten Mal haben wir ernsthafte Alternativen.


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