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Seniorinnen und Senioren sind digitaler, als viele denken

Seniorinnen und Senioren sind digital aktiver als oft gedacht. Eine aktuelle Studie zeigt Chancen, Hürden und warum gute Unterstützung entscheidend für echte digitale Teilhabe ist.

Photo by Vitaly Gariev / Unsplash

Wer glaubt, ältere Menschen stünden der Digitalisierung grundsätzlich skeptisch gegenüber, wird von einer aktuellen Studie eines Besseren belehrt.

Die Untersuchung „Seniorinnen und Senioren in der digitalen Welt“, die Bitkom im Januar 2026 veröffentlicht hat, zeichnet ein deutlich differenzierteres Bild. Sie zeigt eine Generation, die mehrheitlich online ist, die Chancen der Digitalisierung erkennt – und gleichzeitig sehr klar benennt, wo Hürden und Unterstützungsbedarfe liegen.  

Auffällig ist zunächst die grundsätzlich positive Haltung. Rund zwei Drittel der Befragten ab 65 Jahren sehen die Digitalisierung eher als Chance denn als Gefahr für die Gesellschaft. Das ist bemerkenswert, denn noch vor wenigen Jahren überwog in dieser Altersgruppe deutlich häufiger die Skepsis. Die Studie macht deutlich, dass Digitalisierung für viele ältere Menschen längst kein abstraktes Zukunftsthema mehr ist, sondern Teil des eigenen Alltags.

Quelle: BITKOM Studie Seniorinnen und Senioren in der digitalen Welt, Januar 2026

Diese positive Grundhaltung spiegelt sich auch in der tatsächlichen Nutzung wider. Drei von vier Menschen über 65 Jahren waren in den drei Monaten vor der Befragung online. Besonders hoch ist der Anteil bei den sogenannten „jüngeren Alten“, also den 65- bis 74-Jährigen, doch selbst in der Gruppe ab 80 Jahren nutzt noch etwa jede zweite Person das Internet. Die oft zitierte „Offline-Generation“ existiert in dieser Form kaum noch.

Quelle: BITKOM Studie Seniorinnen und Senioren in der digitalen Welt, Januar 2026

Im digitalen Alltag stehen ganz praktische Dinge im Vordergrund. E-Mails schreiben, Nachrichten lesen, Informationen zu Hobbys suchen oder mit Familie und Freunden in Kontakt bleiben gehören für die meisten internetnutzenden Seniorinnen und Senioren ganz selbstverständlich dazu. Auch Online-Banking und Einkaufen werden häufig genutzt, während Angebote wie Online-Dating oder Fitness-Apps eher eine Nebenrolle spielen. Das Internet wird vor allem als Werkzeug erlebt, das den Alltag erleichtert und soziale Teilhabe ermöglicht.

Quelle: BITKOM Studie Seniorinnen und Senioren in der digitalen Welt, Januar 2026

Besonders interessant sind die Aussagen dazu, was das Internet für das eigene Leben bedeutet. Viele Befragte berichten, dass sie sich durch die digitale Nutzung geistig fitter fühlen und leichter Aktivitäten für ihre Freizeit finden. Für eine große Mehrheit ist ein Leben ohne Internet kaum noch vorstellbar. Gleichzeitig zeigt die Studie aber auch, dass negative Erfahrungen – etwa finanzielle Schäden durch Betrug – bislang eine vergleichsweise kleine Rolle spielen.

Quelle: BITKOM Studie Seniorinnen und Senioren in der digitalen Welt, Januar 2026

Trotzdem gibt es weiterhin eine relevante Gruppe von Menschen, die das Internet nicht nutzt. Die Gründe dafür sind weniger Ablehnung als vielmehr fehlende Unterstützung und Unsicherheit. Viele Nicht-Nutzende geben an, sich mit dem Internet nicht auszukennen oder niemanden zu haben, der ihnen hilft.
Kosten oder fehlende Technik spielen eine deutlich geringere Rolle als häufig angenommen. Genau hier setzt auch die treffende Analyse von Teilhabe 65plus digital an: Digitale Teilhabe scheitert selten am Willen, sondern oft an fehlenden Begleitstrukturen und verständlichen Angeboten.

Quelle: BITKOM Studie Seniorinnen und Senioren in der digitalen Welt, Januar 2026

Ein zentrales Thema ist die Benutzerfreundlichkeit digitaler Geräte. Viele ältere Menschen empfinden Begriffe, Menüs und Symbole als unverständlich oder zu klein. Gleichzeitig nutzen erstaunlich viele bereits Hilfsfunktionen wie Sprachsteuerung oder Bildschirmvergrößerung. Das zeigt: Die Bereitschaft zur Anpassung ist da, aber Technik wird noch zu oft für andere Zielgruppen gestaltet.

Quelle: BITKOM Studie Seniorinnen und Senioren in der digitalen Welt, Januar 2026

Wenn Seniorinnen und Senioren ihre eigenen digitalen Fähigkeiten bewerten, fällt das Urteil eher kritisch aus. Im Durchschnitt geben sie sich eine „Drei minus“. Interessant ist, dass diese Selbsteinschätzung deutlich schlechter ausfällt als die Bewertung jüngerer Altersgruppen – obwohl die tatsächliche Nutzung in vielen Bereichen sehr souverän ist. Das legt nahe, dass es weniger an Kompetenz als an Selbstvertrauen fehlt.

Quelle: BITKOM Studie Seniorinnen und Senioren in der digitalen Welt, Januar 2026

Neue digitale Kenntnisse eignen sich ältere Menschen vor allem informell an. Freunde, Familie und Bekannte sind die wichtigsten Ansprechpersonen. Videos und eigenständiges Ausprobieren spielen ebenfalls eine große Rolle, während klassische Kurse oder Beratungsangebote deutlich seltener genutzt werden.

Quelle: BITKOM Studie Seniorinnen und Senioren in der digitalen Welt, Januar 2026

Auch beim Thema Künstliche Intelligenz zeigt sich ein Spannungsfeld. Etwa die Hälfte der Befragten hat bereits von Anwendungen wie ChatGPT gehört oder diese sogar ausprobiert.
Gleichzeitig bestehen Unsicherheiten und Ängste, insbesondere in Bezug auf Komplexität und mögliche Risiken. Viele äußern aber auch den Wunsch, mehr über KI zu lernen und deren Potenziale besser zu verstehen.

Quelle: BITKOM Studie Seniorinnen und Senioren in der digitalen Welt, Januar 2026

Quelle: BITKOM Studie Seniorinnen und Senioren in der digitalen Welt, Januar 2026

Quelle: BITKOM Studie Seniorinnen und Senioren in der digitalen Welt, Januar 2026

Besonders aufschlussreich sind die Erwartungen an Politik und Gesellschaft. Die große Mehrheit wünscht sich konkrete Unterstützung, allen voran eine telefonische Anlaufstelle für digitale Fragen.
Auch individuelle Beratung, finanzielle Förderung für Geräte sowie kostenlose Kurse vor Ort werden häufig genannt. Gleichzeitig fordern viele, dass Digitalisierung insgesamt schneller vorangebracht wird – allerdings mit stärkerem Blick auf die Bedürfnisse älterer Menschen.

Quelle: BITKOM Studie Seniorinnen und Senioren in der digitalen Welt, Januar 2026
Quelle: BITKOM Studie Seniorinnen und Senioren in der digitalen Welt, Januar 2026
Insgesamt zeigt die Studie ein klares Bild: Seniorinnen und Senioren wollen digital teilhaben, sie nutzen digitale Angebote intensiv und sehen deren Nutzen für ihr Leben. Was ihnen oft fehlt, sind verständliche Technik, persönliche Unterstützung und das Gefühl, nicht allein gelassen zu werden. Digitale Teilhabe ist keine Frage des Alters, sondern der Rahmenbedingungen.

Hier kann die komplette Studie abgerufen werden.


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